Über dieses Quartier ist auf diesem online Journal bereits viel berichtet worden. Daher verweise ich nur auf anderweitige Darstellung in unserem Journal. Jedoch will ich zuerst noch etwas ausführlicher eingehen auf die städtebaulichen Überlegungen, die dem Konzept ‚Biotope City‘ zugrunde liegen. Ich habe das Konzept bereits im Jahr 2000 entwickelt – gewonnen aus den Beobachtungen des Verhältnisses zwischen Stadt und Natur im Zentrum von Amsterdam. In den vergangenen 25 Jahren haben sich etliche Aspekte dieses Verhältnises verändert und verdichtet, und insbesondere ist einer pontifikal zukunftsträchtig hinzugekommen, nämlich die grossen Veränderungen, die sich aufgrund der rasanten Auswirkungen der KI auf Arbeitsprozesse ergeben und ergeben werden. Dies macht das Konzept nur noch aktueller und wichtiger.

Das bedeutet: die Stadt der Zukunft wird die Stadt des Wohnens, Lebens, Arbeitens und gleichzeitig die Stadt der Rekreation sein müssen. Immer mehr Menschen werden den grössten Teil ihres Lebens ‚zuhause‘ verbringen, freigesetzt vom Arbeitsprozess und werden, sofern sie sich nicht für ehrenamtliche Betätigungen einsetzen, ihr Leben weitgehend zuhause in ihrer nächsten Wohnumgebung, in ihrem Quartier verbringen. Damit muss nota bene – neben anderen Gründen – eine der Maximen der ‚Moderne‘ ad acta gelegt werden: die Funktionstrennung von Stadt und Landschaft.
Es kommt ein Weiteres hinzu, was insbesondere für das christliche Abendland einen Kulturbruch bedeutet: wir müssen uns verabschieden von der biblischen Aufforderung, uns die Erde untertan zu machen. Die Biologen haben uns immer wieder darauf hingewiesen, welche Gefahr der Verlust der Biodiversität auch für uns als Menschen bedeutet – viele meinen selbst, das dies sogar eine grössere Gefahr als der Klimawandel darstellt. Wir müssen uns mit einer neuen Wahrheit anfreunden, nämlich dass wir Menschen Teil eines komplexen Systems von organischem und anorganischem Leben sind mit seinen welchselweitigen Abhängigkeiten.

Das Konzept ‚Biotope City – die Stadt als Natur‘ ist aus dieser Erkenntnis heraus entwickelt. Dabei geht es darum, die Stadt so zu planen und einzurichten, dass sie möglichst kompakt ist, also nicht ausufert ins Umland und durch Versiegelung eine vielfältige, biodiverse Natur zerstört – mal hoffnungsvoll davon ausgehend, dass das Umland nicht eh bereits in seiner biologischen Vielfalt agrarindustriell dezimiert ist. Und gleichzeitig müssen wir die Stadt so einrichten, dass sie ein gesundes Leben ermöglicht, das gleichzeitig dem Wohnen, dem Arbeiten und dem Rekreieren dienen kann und trotz ihrer Dichte andere Spezies, also die Flora und Fauna nicht ausschliesst. Die Stadt wird somit trotz ihrer Dichte ein Biotop für homo sapiens, flora und fauna. Dass dies möglich ist, zeigt die Evaluation der Biotope City 5 Jahre nach ihrer Fertigstellung. Wir werden das weiter unten aufgrund von ausführlichen Interviews darstellen.


Was impliziert das? Wir Fachleute des Planes und Bauen müssen dem Miteinander von uns Menschen und ‚Natur‘, das heisst unserer species homo sapiens und anderen Arten des Lebens Formen verleihen – Formen, die die wechselseitige Bereicherung ausdrücken und gegenseitigen Schaden begrenzen. Wir sollten die regenerativen Mechanismen der Natur nutzen – was eine win-win-Situation für Mensch, Flora und Fauna bedeutet. Wir sollten unser Handeln leiten lassen vom Gedanken der Kreislaufwirtschaft. Facit: wir sollten unsere Städte so dicht wie möglich und gleichzeitig so grün wie möglich bauen – sie gewissermassen mit einer grünen Haut überziehen, also sichtbar und fühlbar auch die dichte Stadt zu Natur werden lassen: grün, klimaresilient und naturinklusiv. Das mag wie eine Utopie klingen – aber es ist eine REALE UTOPIE, eine Bereicherung für Mensch, Flora und Fauna.
Damit betreten wir aber in vieler Hinsicht Neuland.
Die Biotope City Wienerberg ist das Pilotprojekt dieses Konzepts. Wie gelang es, dies zu realisieren? Welche Rolle spielt das Konzept in Motivation, Zielsetzung und Durchsetzung der Akteure? Wie sind Investoren zu überzeugen? Welche Rolle spielen die Experten der verschiedenen Disziplinen, die durch ein solches Konzept tangiert werden? Welche Rolle spielen Bürger? Betrachten wir die Situation des Projekts en détail:

Ausgangspunkt war die Initiative Harry Glücks, der in diesem Konzept die Aktualisierung seiner jahrzehntelangen Bemühungen um ein naturnahes, freizeitgerechtes Wohnen sah und damit, beginnend in den 70er Jahren, über 18.000 Wohnungen nahezu ausschliesslich im Sozialen Sektor in Wien realisieren konnte. Durch Harry Glücks Initiative gelang es, zunächst durch Walter Koch die Wohnungsbaugesellschaft Wien Süd und sodann weitere Wohnungsbaugesellschaftenen zu gewinnen, die ein Wohnquartier mit der Zielsetzung einer Biotope City wagen wollten. Gemeinsam fand man im dicht bebauten Gemeindebezirks Favoriten ein Gewerbeterrain von 5,4 ha, das Hallen von CocaCola beherbergte, über 95% versiegelt war und das nach dem Umzug von CocaCola frei kam.
Es gelang, in Kooperation mit der Foundation Biotope City ein multidisziplinäres Planungsteam zu formen, in dem neben Architekten und Stadtplanern unter der massgeblichen Führung von Rüdiger Lainer nicht nur Vertreter von Disziplinen sassen, die normaliter meist erst später involviert werden – wie so oft die Landschaftsarchitekten, sondern auch solche, die überhaupt nicht aufgenommen werden: so Biologen, Klimatologen. Ebenfalls wurden bereits von Beginn an diejenigen Magistratsabteilungen mit einbezogen, die thematisch von dem Konzept tangiert sind. Gemeinschaftlich wurde innerhalb eines ersten Jahres eine Planung erarbeitet, die vom Konzept Biotope City ausging und sich durch eine Reihe von Besonderheiten auszeichnete: voran gestellt wurde ein ausführlicher Katalog von Qualitäten, den das Gebiet aufweisen sollte. Hier eine Übersicht in Stichworten:

Die vertragliche Festlegung wurde spezifiziert in einem ausführlichen Qualitäten-Katalog. Dieser war Teil der Bauanfrage, durch die auch die notwendige Umwidmung eines Gewerbegebiets in ein Wohngebiet genehmigt werden musste. Diese Qualitäten lieferten hierfür gute Argumente. Der Qualitäten-Katalog wurde juristisch hieb- und und stichtfest von allen beteiligten Investoren und Architekten/Stadtplanern unterschrieben – ein wichtiger Vorgang, denn damit waren die in dem Katalog aufgeführten grünbezogenen Massnahmen vor Streichungen aufgrund von Baupreissteigerungen im Laufe der baulichen Umsetzung gesichert.

Wesentlich war ebenfalls der Beschluss, das Quartier von privatem Autoverkehr frei zu halten und lediglich die für Feuerwehr und Schule notwendigen Zugänge zu realisieren. Sämtlich Parkgaragen wurden unterhalb der grossen Bauköper realisiert, die von einem einzigen Zugangsweg am Rande des Quartiers erreichbar sind. Dadurch gelang es, für die Zwischenräume zwischen den Gebäuden tiefe Erdkerne bewahren – wesentlich für das Wurzelwachstum der geplanten einheimischen Baumsorten, für die ausdrücklich bis 30m hoch wachsende Sorten gewählt wurden. Dies zur zukünftige Beschattung in den in Wien ja oft sehr heissen Sommermonaten.


Eine wichtige Entscheidung betraf auch die Gestaltung des Aussenraums, für die die Landschaftsarchitektin Maria Auböck den grundlegenden Plan machte, und die später in der Detaillierungsphase durch den Landschaftsarchitekten Heinz Wind von Knoll Consult ausgeführt wurde. Entgegen einer gewisser Skepsis, ob dies überhaupt langfristig möglich wäre, wurden all diejenigen Freiflächen, die nicht dem Spielen von Kindern und Jungendlichen sowie Spielgeräten und Bänken reserviert waren, als Wiesen mit vielfach Sträuchern angelegt.

Tatsächlich zeigt sich bis zum heutigen Tage, nach also 5 Jahren Bewohnens und Nutzens, dass die Wiesenflächen nicht nur respektiert, sondern sogar geliebt und von Bewohnern verteidigt werden, sollten sich doch einmal fussballspielende Jugendliche dahin ausdehnen – so geschehen: Bewohner erreichten, dass die Wohnungsbaugesellschaften eine nahegelegene Fläche im Umfeld fürs Fussballen anweisen konnten. Insgesamt – um es gleich in der Fussball-Sprache auszudrücken, wurde der freie Aussenraum so angelegt, dass auf dem gesamten Terrain ca. 25 Fussballfelder an Blattoberfläche am Entstehen ist. Dies explizit nicht allein zur Rekreation im Freien mit frischer, sauberer Luft und Kühlung, sondern auch zur Unterstützung der Biodiversität. Zudem wurden ebenerdig in die Wiesen verschiedentlich Wasserlöcher eingefügt für bodenlebende Tiere und an etlichen Gebäuden Nistmöglichkeiten für Vögel, worunder auch für Mauersegler.

Der Erfolg dieser Strategie zeigte sich im Laufe der vergangenen Jahre der Nutzung nicht allein darin, dass der Aussenraum tatsächlich auch lebendig rekreativ von den Bewohnern genutzt wird, sondern dass selbst Umwohnende, also Menschen, die jenseits der vielbefahrenen Triesterstrasse wohnen, in ihrer Freizeit mit ihren Kindern in die Biotope City Wienerberg kommen – und dies dem direkt daneben liegende Benesch-Park vorziehen. Sie kommen also in ein Gebiet mit der Dichte von GFZ 3,0 zur Rekreation: die dichte Stadt als Natur, als ein Biotope von homo sapiens, flora und fauna hat sich also als ein realistischen Planungsziel erwiesen!
Eine weitere Strategie trug und trägt effektiv zu einer funktionierenden Gemeinschaft im Quartier bei – trotz der grossen ethnischen Heterogenität und des hohen Anteils an Wohnungen im Sozialen Sektor: das ist die Möglichkeit für Urban Gardening. Es gibt ebenerdige Beete, halbhohe Beete, Beete für Rollstuhlfahrer und teilweise am Dach auch tischhohe Beete. Sie werden verwaltet durch eine selbstorganisierte Gartengruppe, die die Beete an Interessierte verteilt und jährlich auch gemeinschaftliche Aktivitäten inszeniert. Grosses Engagement. Es gibt eine Warteliste. Besucher wundern sich immer wieder darüber, dass die hier angepflanzten Salate und Gemüsen nicht geräubert werden. Tatsächlich geschieht dies nur selten: ein schöner Beweis, dass das Gemeinschaftsleben funktioniert.

Abb. Hier der Präsident Irlands zu Besuch in der Biotope City Wienerberg, der seinen Begleitern zu erklären wusste, was da in den Beeten wächst.
Die weitgehende Begrünung der Fassaden war von Angang an eines der Qualitätsziele des Projekts. Nun war freilich aufgrund historischer Branderfahrung der Brandschutz in Wien sehr restriktiv hinsichtlich Fassadengrün. Es gelang uns, einen workshop zu organisieren, auf dem Referenten aus verschiedenen europäischen Städte Beispiele von Fassadengrün präsentierten, die in Wien nicht zugelassen wären. Die Magistratsdirektion setzte daraufhin eine empirische Untersuchung von Brandüberschlag von Vertikalbegrünung an, teilweise in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur. Die empirischen Erfahrungen aus diesen Brandversuchen wurden umgesetzt in eine Revision der Brandschutzverordnung, die Begrünung über zwei Etagen möglich machte und wodurch nun auch Wandstücke zwischen Fensteröffnungen begrünt werden können, da sich horizontaler Brandüberschlag nicht als Gefahrenquelle erwies.

Ein besonderes Kapitel ist die Balkonbegrünung. Faktisch ist die Balkonbegrünung ein Element, das wesentlich zum Mikroklima und auch zum Gemeinschaftsleben beiträgt – und zudem keine Unterhaltkosten mit sich bringt: die Balkontröge sind in der Selbstverwaltung der Bewohner. Wenn sie hinreichend gross sind und, optimal, wenn sie eine automatische Bewässerung haben, können sie für eine üppige Fassadenbegrünung sorgen, die keinen Brandschutzregeln unterliegt. In der Biotope City Wienerberg wurden teilweise die Tröge durch die Wohnungsbaugesellschaft selbst zur Hälfte vorbeplanzt – dies zur Ermunterung der Bewohner. Es hat sich gelohnt. Das sichtbare Ergebnis nach 5 Jahren zeigt, dass da, wo beide Massnahmen, also automatische Bewässerung und Vorpflanzung geschehen ist, die Balkone üppig begrünt sind.

Was die Dachgärten betrifft: natürlich weitgehend begrünt, teilweise als Naturgarten mit Bänken zum Verbleib, teilweise mit Photovoltaik und darunter Hochbeten fürs urban gardening – und Toppunkt natürlich: die sehr beliebten Schwimmbäder auf zwei der grossen, 12-stöckigen Wohnblocks, mit Dank an Harry Glück, der dies stets für seine Bauten durchgesetzt hat.



Eingangs habe ich die multidisziplinäre Zusammenstellung des Planungsteams genannt. Wichtig inhinlick auf eine ‚klima-fitte‘ Planung war die Überprüfung der Planungsschritte durch eine iterative microclimatische Simulation hinsichtlich Begrünung und Windrichtung mit der Auswirkung auf das Klima und die jeweils mit den Planungsentscheidungen verbundenen Investitionskosten und Instandhaltungskosten. Dies wurde durch Greenpass durch geführt und war dann die Basis der Entscheidung für eine ‚optimale‘, da kostengünstige und effektive Variante.

Erwähnt werden muss ebenfalls, dass frühzeitig entschieden wurde, das sog. Schwammstadt-Prinzip zu verfolgen, zum damaligen Zeitpunkt 2010 noch relativ Neuland. Das Regenwasser bleibt integral auf dem Terrain zum Bewässerung von Pflanzen und Bäumen; Überschuss im Falle von anhaltendem Starkregen wird aufgefangen in einem Überlaufteich, der für Menschen unzugänglich ist und sich in den vergangenen Jahren als Anziehungsort für Tiere erwiesen hat – neuerdings hat sich selbst eine Fuchsfamilie dort angesiedelt, die im Umfeld offensichtlich auch Nahrung finden kann – perfekte Strategie gegen Ratten…
Bevor wir nun zur Evalution nach 5 Jahren Benutzung, also dem Praxis-Check kommen, noch einmal zur Zusammenfassung die Specifica der Planung und Implementierung dieses Projekts, von dem mit Fug und Recht gesagt werden kann, dass es in vielen Punkten immer noch ein Pilotprojekt ist. Dabei ist die juristische Festlegung auf das Konzept und den ausführlichen Qualitätenkatalog ein zentraler Punkt. Dann die Simulation der Planungsergebnisse ausgehend vom vorfindlichen Terrain – denn hierfür gibt es keine generellen Regeln, jedes Terrain hat seine eigenen Bedingungen.

Last not least ist die wissenschaftliche Begleitung des Prozesses der baulichen Umsetzung hervorzuheben. Aus ihr ging eine Bauanleitung für die Entwicklung eines klimafitten und biodiversen dichten urbanen Quartiers hervor. Dieses Handbuch ist online auf der website der Foundation Biotope City zu lesen und herunter zu laden.

Ich möchte aber noch einen Punkt betonen, der ein wesentlicher Grund für die erfolgreiche Durchführung dieses Projektes war, das auf so vielen Punkten Neuland betrat: die grosse Anzahl von Aktoren an der Planung und Realisierung dieses Projekten waren alle erfüllt von der Idee dieses Konzepts – bis hin zu den Bauarbeitern. Man identifizierte sich mit den Zielsetzungen und dies half immer wieder, bei auftauchenden Schwierigkeiten nicht aufgeben zu wollen, sondern das Neuland auch zu betreten. Sie alle waren erfüllt von der Idee, hier etwas besonderes zu schaffen, alle zogen an einem Strang.

Evaluation nach 5 Jahren
Nun zu einer kritischen Reflektion der Ergebnissen. wie sie sich 5 Jahre nach der Fertigstellung. Was ist geglückt ? Was ist nicht geglückt ? Wünsche an die Zukunft…
Hierzu wurde 14 Personen des Teams von Planung und Realisierung sowie der Direktor der Firma für die Freiraumpflege interviewd und auch im Rahmen einer Masterarbeit an der Universität von Wien 38 Bewohnerinnen und Bewohner befragt. Hier erst nochmal eine Übersicht über die verschiedenen Kategorien der Zielsetzung und die getroffenen und tatsächlich auch realisierten Massnahmen:

Hinsichtlich der Begrünung kann sich visuelle Ergebnis nach 5 Jahren des Blattwachstums bereits durchaus sehen lassen.

Die Gespräche haben sowohl bei den Fachleuten als auch bei den Bewohnern ein im wesentlichen höchst positives Ergebnis erbracht. Trotz einer hohen sozialen und etnischen Durchmisschung hat sich eine stabile soziale Gemeinschaft entwickelt. Man hat selbsttägig die Selbstverwaltung der Urban Garderingsbeete übernommen durch die Organisation einer Gartengruppe, die die Beete unter Interessierte verteilt und Erntefeste organisiert. Dasselbe geschah mit der Betreuung der Bibliothek, die für alles sorgt, samt der Füllung mit Büchern und Veranstaltungen zum Animieren des Lesens.

Für ihre Kommunikation über Probleme, Vorhaben, Feste und andere Fragen haben die Bewohner selbst eine online Plattform gegründet, die rege besucht wird und auf die kleinere Probleme wie das Zustellen von Paketen, die Suche nach Verlorenem oder Gefundenem und andere Probleme kommuniziert werden. Auch werden Probleme, die die Nutzung des gemeinsames Aussenraums betreffen, selbsttätig gelöst – so das schon erwähnte Beschützen der Wiesen: man sprach die Wohnungsbaugesellschaften an und diese haben den Jugendlichen ein Fläche fürs Fussballspielen angewiesen.
Das Gebiet wirkt nach 5 Jahren noch immer wie neu – keine Graffitti, keine Zerstörung, kein Vandalismus. Mülvermeidung durch sorgsames Verhalten der Bewohner wird betont durch die Firma der Freiraumpflege. Das spricht natürlich Bände. Die Bewohner achten ihr Wohnumfeld. Die Mobilität ist gering, im Gegenteil: immer wieder sind auf der website des Quartiers Anfragen nach Wohnungen zu lesen.
Das heisst auch: Die Kosten für Wohnungswechsel und Neuvermietung, die ja für Wohnungsgesellschaften erheblich sind, sind minimiert, Kosten für Unterhalt und Reparatur sind minimal. Die Mühe und Investition in ein erfreuliches Wohnumfeld hat sich also gelohnt.
Die Regenwasserspeicherung nach dem Schwammstadtprinzip funktioniert zusammen mit seinem Überlaufteich. Dieser Teich, abgesperrt gegenüber Bewohnern und damit ganz der ‚Natur‘ überlassen, erweist sich als die Domäne von Insekten und Tieren, eine kleine Wildnis. Die Fuchsfamilie, die sich dort angesiedelt hat, wird von Bewohnern mit grossem Interessen verfolgt. Die Nistkästen, die an Gebäuden angebracht worden sind, scheinen angenommen zu werden, die Wasserlöcher in den Wiesen sind immer noch vorhanden und dürften ihren Zweck erfüllen.
Die Balkontröge sind an einigen Gebäuden üppig bepflanzt und haben damit eine beeindruckende Fassadenbegrünung bewirkt. Die Kühlung durch den Luftdurchzug und die Begrünung hat ein gutes Anfangsstadium erreicht und wird mit dem Wachsen der Bäume stets effizienter werden.
Nicht gelungen:
Einiges ist freilich auch nicht gelungen: Teilweise muss der Fehler in der Detailplanung gesucht werden, manchmal war das Detail zwar in der Planung festgeschrieben, jedoch im Qualitätenkatalog nicht benannt und ist dann später eingespart worden. Anderes hat sich in der Pflege als unzureichend gesichert erwiesen.
Nachgebessert werden muss auf jeden Fall die Bewässerung des Fassadengrüns an einigen Fassaden. Auch ist an einigen Gebäuden die Pflege des Fassadengrüns deutlich unzureichend – es muss gesichert werden, dass dies langfristig geschieht. Deutlich ist auch, dass eine automatische Bewässerung der Balkontröge generell für alle Balkone festgelegt werden sollte – das Ergebnis dort, wo dies geschehen ist, macht den Erfolge deutlich.

Ein geplanter Wasserlauf durch die Hauptachse wurde zwar als mit Kieselsteinen gefüllte Rinne realisiert, aber aus Kostengründen nicht an das Bewässerungssystem angeschlossen. Hier zeigt sich, wie wichtig ein bis in die letzten Details detaillierter Qualitätenkatalog ist, der juristisch fixiert ist. Den Wasserlauf hineinzuschreiben war übersehen worden. Es wurde auch moniert, dass keiner von den vielen und auch gut besuchten Sozial-Räumen für private Feiern/Veranstaltungen eine Verdunkelungsmöglichkeit besitzt – das wäre wenigstens für einen der Räume wünschenswert.
Was die programmatisch im Zielkatalog anvisierte Recykling von organischen und anorganischen Materialien betrifft, so ist zu konstieren, dass hierfür – und das betrifft vor allem das Recykeln von organischen Beständen – ein stadtumfassendes ‚Baukarousell‘ unbedingt nötig ist. Erst dann nämlich ist die Chance hinreichend, jeweils einen anderen Ort des Gebrauchs oder zumindest der Zwischenlagerung zu finden. Was die Zukunft betrifft und in den Zielsetzungen dieses Projektes noch nicht aufgenommen worden war, ist die Grauwassernutzung. Effiziente Techniken scheinen immer noch nicht kostenerträglich realisierbar zu sein. Angesichts der offensichtlich zunehmenden Wasserverknappung in ganz Europa solltie dies ein Punkt der Aufmerksamkeit werden. Ein U-Bahn-Anschluss wäre trotz jetzt relativ guter Erschliessung mit Strassenbahn und Bus zwar wünschenswert und ist imhinblick auf weiteres Wachstum der Stadt perspektivisch auch anvisiert, aber angesichts der derzeitigen Haushaltslage sämtlicher Kommunen und auch der Wiens noch ferne Zukunftsmusik.
Summa summarum lässt sich konstatieren: die Mängel sind verhältnismässig wirklich gering und unproblematisch reparierbar, sie tun der Rolle des Quartiers als Pilotprojekt keinen Abbruch. Zu wünschen ist, dass sein Vorbild weit über die Grenzen Wiens hinaus animiert, das Konzept ‚Biotope City, die dichte Stadt als Natur‘ bei Neuplanungen zur Grundlage zu nehmen. Die detaillierte ‚Bauanleitung für eine Biotope City‚, die online auf der website von Biotope City Journal verfügbar und herunter zu laden ist, gibt dafür einen gutes Hilfsmittel.