Helga Fassbinder

Helga Fassbinder ist Stadtplanerin, Politikwissenschaftlerin, Autorin, emeritierte Professorin der Technischen Universität Eindhoven (TUE) und der Technischen Universität Hamburg (TUHH). Sie war Vorsitzende des TUE-Instituts für Stadterneuerung und Stadtmanagement, und Leiterin des TUHH-Instituts für Stadtplanung und Stadtentwicklung. Derzeit ist sie Vorsitzende der Stiftung Biotope City und gibt als Redakteurin das online Magazin Biotope City Journal heraus.

Fassbinder initiierte neue Ideen in der Stadtplanung lange vor dem Mainstream. Ende der 60er Jahre organisierte sie noch während ihres Studiums den Kampf gegen den Abriss von Kreuzberg in Berlin und mobilisierte Studenten im Fachbereich Architektur an der TU Berlin zu einer Gegenplanung nach dem damals neuen Konzept einer behutsamen Stadterneuerung. Diplom in Architektur und Stadtplanung 1970. Promotion in Politologie 1975. Ihre Veröffentlichungen über Stadterneuerung führten 1976 zu ihrer Berufung auf den ersten universitären Lehrstuhl für Stadterneuerung in Europa an der Technischen Universität in Eindhoven. Dort arbeitete sie mit Studenten zusammen, die landesweit Aktionsgruppen in ihrem Kampf gegen den Abriss ihrer Stadtviertel unterstützten. Bis 2014 war sie Mitglied und stellvertretende Vorsitzende der Technische Advies Commissie Hoofdgroenstructuur der Stadt Amsterdam, einer Kommission zum Schutz von Grünzonen und innerstädtischen Grünkorridore. Über Jahre hinweg war sie in Beratungskommissionen des niederländischen Minsterium für Wohnungsbau und Planung tätig und vertrat in den 80er Jahren die Niederlande in der Kommission ‘Area based Urban Renewal’ des Economic Council for Europe (ECE) in Genf.

Nach dem Fall der Berliner Mauer wurde sie eingeladen, Ideen für die weitere Entwicklung Berlins vorzustellen. Sie schlug ein breites öffentliches Forum mit Vertretern der verschiedenen sozialen Schichten und Gruppierungen der Stadt vor, initiierte und organisierte zusammen mit Senator Volker Hassemer das Stadtforum Berlin. Fassbinder war sodann von 1990-1996 Mitglied der Lenkungsgruppe des Stadtforum. Um die Jahrtausendwende, lange vor der breiteren Anerkennung des Wertes von Begrünung für die Lebensbedingungen in den Städten, entwickelte sie das Konzept der “Biotope City, der dichten Stadt als Natur” und organisierte 2002 einen internationalen Kongress zu diesem Thema an der TUE. Im Jahr 2004 begründete sie die Stiftung Biotope City, die seit 2006 das BIOTOPE CITY JOURNAL herausgibt. Die Stiftung regt die Begrünung und Integration der Natur in der Stadt an und unterstützt Initiativen und Projekte. Ein erstes Stadtviertel nach diesem Konzept mit 1.000 Wohnungen und Wohnfolgeeinrichtungen ist in Wien entstanden, Zweidrittel von diesen im sozialen Sektor: die Biotope City Wienerberg, die Beginn 2021 fertig gestellt wurde und bezogen ist und als ein Pilot-Projekt der Internationalen Bauausstellung Wien 2022 fungiert.

Gegenwärtig engagiert sie sich u.a. an vielen Orten in Europa mit Vorträgen zur Stimulierung eines Umschwungs in der Stadtplanung hin zu einer dichten, begrünten Stadt als Biotope, der Stadt als Natur. Sie ist Autorin verschiedener Bücher und Artikel über Planungsstrategien, Wohnarchitektur, Stadterneuerung, Planungsbeteiligung und die Stadt als Natur.

Sie lebt in Amsterdam und Wien.

email: mail@helgafassbinder.com
www.helgafassbinder.com

Publikationen auf BIOTOPE CITY JOURNAL: