SAG's MIT BLUMEN: Urban Gardening als kreative Protestform

Der Beet-Club Altona, ein offenes Urban Gardening Projekt im Hamburger Bertha-von-Suttner-Park, erblühte aus einer besonderen Motivation: Den Bäumen, in deren Schatten heute Menschen aus ganz Hamburg gemeinsam gärtnern, drohte seit 2009 die Rodung; der Energiekonzern Vattenfall wollte dort eine Trasse für sein Kohlekraftwerk verlegen. Unter dem Motto „Blumen statt Baustelle“ pflanzten sich die Anwohner dem geplanten Kahlschlag zunächst mit unorganisiertem Guerilla Gardening in den Weg.

Dass der Bezirk den Park als entbehrlichen Schandfleck sah, akzeptierten die Menschen im Stadtteil nicht: 2011 schlossen sie den Freundeskreis Suttnerpark und beschlossen, den verwahrlosten Grünzug in einen Ort des kreativen Miteinanders zu verwandeln. Der Park wurde unter anderem Schauplatz einer Lesung und einer Vernissage, außerdem legte die Nachbarschaft dort einen Kräutergarten an.

Nach und nach wuchs die Begeisterung fürs Gärtnern und 2012 entstand der Beet-Club Altona. Mittlerweile steht im Park ein acht Quadratmeter großes Hochbeet mit zahlreichen Stauden und Nutzpflanzen. Ein Insektenhotel bietet Nützlingen wie Marienkäfern und Wildbienen die Zuflucht, die ihnen Rasenmäher und Laubbläser nehmen. Auf den Gehwegen entlang des Parks errichteten Anwohner weitere kleine Hochbeete.

Inzwischen ist die Zerstörung des Parks gestoppt. Auch darüber hinaus treibt die ehemalige Protestbewegung schöne Blüten. Beim Gärtnern auf öffentlichem Grund wächst die Nachbarschaft merklich zusammen. Gemeinsam übernimmt man Verantwortung für sein Viertel. Neben Kartoffeln, Roten Rüben oder Spinat trägt das Urban Gardening auch Früchte wie die Reflektion des eigenen Konsums.

Die Bauweise aus Gabionen und Kokosmatten, wie sie der Beet-Club Altona praktiziert, findet inzwischen auch andernorts Zuspruch. Bei Projekt „Gärtnern ohne Garten in der Kita“ erhielten zehn Hamburger Kitas Material für den Anbau von Nutzpflanzen auf kleinem Raum. Und im Rahmen des Wissenschaftsjahres „Zukunftsprojekt Erde“ entstand ein Nachbarschaftsbeet für die Wohnungsbaugenossenschaft „Berolina“ in Berlin.

 

Weitere Informationen und Kontakt unter https://www.facebook.com/Suttnerblog

 

Gewachsen aus Parkpolitik: Der Freundeskreis Suttnerpark. Foto: Suttnerblog, http://suttnerblog.de/


Das Gärtnern mit Gabionen und Kokosmatten macht Schule, hier bei der Berliner Baugenossenschaft „Berolina“
(Foto: ZALF, http://urbangardening2.de/index.php/impressum)


Wir pflanzen uns in den Park: Urban Gardening als Druckmittel für den Erhalt öffentlicher Grünflächen (Foto: Suttnerblog, http://suttnerblog.de/)


Wer sagt, gegen Vattenfall sei kein Kraut gewachsen? In Hamburg Altona erblüht der Widerstand  (Foto: Till Hinrichs, http://www.tillhinrichs.de/)


Neben der Rettung des Bertha-von-Suttner-Parks trägt das Projekt auch greifbare Früchte (Foto: Suttnerblog, http://suttnerblog.de/)


Das Insektenhotel wurde inspiriert durch den Biotope City Artikel „Housing for the urban fauna“ (Foto: Suttnerblog, http://suttnerblog.de/) (Artikel: (http://www.biotope-city.net/gallery/housing-urban-fauna)