GRENZGÄNGE ZWISCHEN BIOLOGIE UND ARCHITEKTUR...

 

Ich beschäftige mich nicht mit dem Schönheitsbegriff eines Fäaken beim Anblick eines rosa gefärbten Schinkens, eines Matrosen angesichts eines drallen Mädchens, eines Schimpansen angesichts des östrisch angeschwollenen Hinterteils seiner Artgenossin oder eines Jockeys beim Anblick eines muskulösen Rennpferdes. Diese Präferenzen haben Motive in Triebbefriedigung und Funktionslust. Hinter diesem Schönheitsempfinden verbergen sich Interessen. Kant meinte mit Schönheitsempfinden hingegen „das interesselose Wohlgefallen“, das uns anspringt, obwohl wir im Objekt unserer Zuwendung keinen Vorteil erwarten können, keine Triebbefriedigung- wo der einzige Lohn der schöne Anblick an sich ist, wie bei der Blüte, dem Schmetterling, Pfauenrad Kristall oder Regenbogen.
Anlaß dieser Untersuchung war die erschreckende Verhässlichung aller Lebensbereiche.
Als Stadtökologe wird man zum Grenzgänger zwischen Biologie und Architektur. Man sucht nach ästhetischen Begründungen, die nicht bloß subjektivem Geschmack entspringen. Die Frage, wie weit das Weltbild der Verhaltensforschung zum Problem des Schönen beitragen könnte, fasziniert mich, seit ich Konrad Lorenz kenne.

 

aus: DER STREIT UM DAS SCHÖNE – Ästhetik zwischen Natur und Architektur