VORSCHRIFTEN zum BEGRÜNEN von GEBÄUDEN

 

Die Vorschriften rund um die Begrünung von Fassaden in Wien können grob in drei Segmente geteilt werden.

A) „Selbstständige“ Begrünung durch natürlichen Bewuchs
B) Nachträgliche Bepflanzung von bestehenden Objekten
C) Geplante Bepflanzung durch Neubau und vorgefertigte Elemente

Der wesentliche Unterschied für diese Einteilungen ist, dass unterschiedliche Vorschriften zum Tragen kommen.

ad A)

Im Falle eines natürlichen Bewuchses während des Bestandes kommt im Wesentlichen vorerst die Verkehrssicherungspflicht gemäß ABGB zum Tragen. Darunter ist zu verstehen, dass der Hauseigentümer verpflichtet ist dafür zu sorgen, dass von seinem Gebäude kein Schaden ausgeht. Beispielsweise dürfen Bewuchsteile der Fassade nicht auf öffentliche Verkehrsflächen stürzen bzw. ist dafür zu sorgen, dass keine erhöhte Brandlast auftritt. Die „Behörde“ kommt im Wesentlichen nur dann zum Einsatz, wenn ein übermäßiger Bewuchs öffentliche Verkehrsflächen behindert oder eine Gefahr davon ausgeht.

(Anmerkung: Darunter sind beispielsweise auch die Sicherungspflichten für Gesimse und ähnliche vorspringende oder auskragende Fassadenteile zu verstehen.)

ad B)

Im Falle einer nachträglichen Bepflanzung ist einerseits wie unter A) vorzugehen bzw., wenn es sich um Montage von Klettergerüsten oder vorgeplankten Elementen handelt liegt aber jedenfalls eine Bauausführung vor. Bei einer Bauausführung kommt zum Tragen, dass natürlich die Bauvorschriften, der derzeitige Stand im Wesentlichen zusammengefasst in den OIB-Richtlinien 1 bis 6 und den dazugehörigen Erläuterungen, einzuhalten sind.

Je nach Gebäudekategorie (GK) sind die Anforderungen an den Brandschutz in der OIB-Richtlinie 2 taxativ zusammengefasst. Das Problem dabei stellt sich, dass für den natürlichen Bewuchs derzeit offensichtlich Einstufungen hinsichtlich Brandwiderstand, Rauchbelastung, Qualmbildung, Brandweiterleitung etc. nur in allgemeiner Form in der Literatur zu finden sind. Die von englischen Kollegen kurz angerissene Studie aus Manchester stellt jedenfalls eine wesentliche Grundlage dar und sollte mitpubliziert werden. Im Falle von vorgefertigten Fassadenelementen, und sind es auch nur Rankgerüste, ist jedenfalls darauf zu achten, dass vom Hersteller eine Leistungsklassifizierung angegeben werden muss. Basis dafür sind die Bauprodukten- und Akkreditierungsgesetze der Länder.

ad C)

Bei vorgefertigten Fassadenelementen ist jedenfalls im Rahmen der Deklaration der Leistungseigenschaften der Bauprodukte vom Hersteller eine Einstufung bzw. eine Bekanntgabe zu machen. Die Notwendigkeit ergibt sich einerseits aus der baubehördlichen Bewilligung des Gebäudes und der damit geforderten Einhaltung der Vorschriften und andererseits wiederum aus dem Bauprodukten- und Akkreditierungsgesetz(en). Im Wesentlichen bedeutet dies, dass die Hersteller von vorgefertigten Elementen eine Einstufung hinsichtlich der geforderten Leistungskennzahlen, wie sie beispielsweise in der ÖNORM EN 13830 oder der Zulassungsleitlinie ETAG 034 gefordert sind, machen müssen.

Dies wird unter anderem auch explizit in der englischen Publikation aus Manchester gefordert.

Grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass mit dieser Bekanntgabe der Leistungseigenschaften jedenfalls eine Begrünung von Fassaden sowohl mit natürlichem Bewuchs als auch mit vorgefertigten Elementen möglich ist. Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass sowohl die ÖNORM EN 13830 als auch die ETAG 034 den Begriff "Bekanntgabe von Pflege und Wartung in ihrem Leistungsumfang haben und dass die Hersteller für die Nutzung dieser Fassadenelemente eine Pflege und Wartung" quasi vorschreiben werden oder müssen. Die Einhaltung kann damit aber auch Teil des Konsenses werden.