URBANER WALD - eine Lektion der EXPO 2015 MAILAND

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Die dichten Städte leiden fast alle unter einer Luftbelastung, die immer wieder die von der WHO gesetzten Grenzwerte für Feinstoffe zu überschreiten drohen oder tatsächlich überschreiten. Innerhalb des EU-Raums kann dies wirtschaftlich schwerwiegende Folgen haben, z.B. wenn Bauprojekten aus diesem Grund nicht realisiert werden können. Aber es stellt auch eine Lebensbedrohung für Menschen dar: die Berechnungen der Todesart, verursacht durch Feinstoffbelastung, sind unterschiedlich, aber zeigen allesamt erschreckende Zahlen.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Städte nach Massnahmen suchen, die Feinstoffbelastung auf eine Budget-verträgliche Weise zu vermindern, sei es inzidentell oder langfristig. In Paris z.B. werden die Grenzwerte in windstillen Tagen immer wieder überschritten – die Stadt verordnet dann tageweise eine Halbierung des privaten Personenverkehrs: an solch einem Tag dürfen einmal nur Autos mit gerader Kennzeichen-Nummerierung fahren, am einem nächsten solchen Tag nur die mit ungerader Kennzeichen-Nummerierung. Ein unbefriedigendes Hilfsmittel.
Was tut man langfristig? Was kann man langfristig tun?

Auf der Weltausstellung 2015 in Mailand hat Österreich mit dem bemerkenswerten Beitrag seines Pavillons eine Lösung vorgestellt, die das Problem der belasteten städtischen Luft langfristig und umfassend angeht: Urbaner Waldbepflanzung, und dies auch in der Großstadt, ist die Formel. Auf eindrucksvolle Weise wird dargestellt, wievielt Bäume im Stadtraum zur Verbesserung der Luftqualität beitragen können. En passant wird damit auch eine allgemeine Verbesserung der Lebensqualität für die Stadtbewohner erreicht: es wird kühler in heissen Sommern und es tut gut für das emotionale Wohlbefinden. Es senkt die Todesrate bei Hitzewellen und ist  wirksam gegen eine der grossen Gesundheitsbedrohungen unserer Zeit, die Depression. Die Wirkung in beiden Fällen ist durch viele wissenschaftliche Studien belegt.

http://www.fao.org/news/audio-video/detail-video/en/?uid=11124

Der Österreich Pavillon in Mailand hat das Thema 'Luft' in den Mittelpunkt gestellt: 'Breath'. Er verbindet Gebäude und Umwelt in einem integralen Modell: Der Pavillon wird beherrscht urch die großflächige Bepflanzung eines Waldstücks mit der Grundfläche von 560m2. Die Vegetation dieses Waldstücks besitzt eine gesamte Blattoberfläche bzw. Verdunstungsoberfläche von ca. 43.200m2 und erzeugt dabei 62,5 kg frischen Sauerstoff pro Stunde – dem Bedarf für 1.800 Personen. Es ist also ein „Photosynthesekollektor“, der auf geringem Raum effizient zur weltweiten Sauerstoffproduktion beiträgt. Dieser Effekt wird im Pavillon durch Verdunstungskühlung – aber ohne Klimageräte – technisch unterstützt. So kann das gefühlte Klima eines dichten Waldes aus Österreich mit vergleichsweise natürlichen Maßnahmen nachgestellt werden, der auf den kühlende Effekt der Evapo-Transpiration der Pflanzen beruht.  Das Klima unterscheidet sich deutlich von der ausserhalb des Paillon in Mailand vorgefundenen Luft und wird dadurch besonders auffällig wahrnehmbar. 

Die geringe Fläche von nur 560m2 dieses urbanen Wäldchens entspricht einem sehr kleinen Stadtpark, beinahe einem pocket-Park. Durch diese Aufstellung wird plausibel, dass auch kleine und kleinste urbane Flächen, bepflanzt mit Bäumen, schon fühlbar zur Verbesserung der Lebensqualität für Stadtbewohner beitragen - zumal auch für Stadterweiterungsgebiete ist dies eine beachtenswerte Erkenntnis.
Als Redaktion des BIOTOPE CITY Journals sind wir ein wenig stolz drauf, dass unser Mitglied Bernhard Scharf, Biologe, Forscher an der Universität für Bodenkultur, Autor einer Reihe von Publikationen über die Auswirkungen von Grün auf das Stadtklima, mit dem Design und der Verantwortung der Vegetationstechnik des österreichischen Pavillions eine wesentlichen Beitrag dazu dieser Wahrnehmung geleistet hat.

Weiter Information darüber siehe:  http://terrain.de/breathe-austria/

Doch bietet Mailand noch einen weiteren Hinweis: Gerade erst kürzlich ist in Mailand ein spektakuläres Beispiel eines urbanen Waldes fertig gestellt worden: das Gebäude 'Bosco Verticale' von Stefano Boeri. Wir haben in BCJ darüber berichtet. Es ist das kühne Unterfangen, mit Bauambepflanzung auf den Balkonen eines Hochhauses den Effekt klimatisch eines urbanen Waldes zustande zu bringen. Wenn dieses Experiment dauerhaft gelingen sollte, wäre es sicherlich von grossem Einfluss auf die weitere Entwicklung der Ästhetik von Städtebau und Architektur - eine Öffnung des Blicks auf eines neues, anderes Bild von Schönheit in Architektur und Städtebau, einem Schönheitsideal, das den Erfordernissen des 21. Jhds angepasst ist: dem Klimawandel, der Luftverschmutzung, der globalen Bevölkerungsexplosion und dem Umstand, dass in Zukunft 70% und mehr dieser Weltbevölkerung in Städten leben wird.

Stadtplaner und Architekten sind dazu aufgerufen, den Hinweis de österreichischen Pavillon auf die Nützlichkeit von Bäumen, von urbanen Wäldern, durch eine kluge Planung und Gestaltung des urbanen Raums und seiner Gebäude in die Tat umzusetzen.

 

Hier ein Link zu einer site der Stiftung Growing Air, die der Bedeutung von Bäumen für die Luft gewidmet ist und auf zu verschiedenen Artikeln zu diesem Thema durchverwiesen wird:

By the way: Here is a link to some articles about trees and their effects on the air on the site of the Growing Air Foundation:

http://www.growingairfoundation.org/important-articles/