BRANDSCHUTZ IN WIEN

Brandschutztechnische Betrachtung zum Thema 'Brandschutz und Grün'

Vortrag auf dem Workshop 'Brandschutz und Grün' in Wien, 24.Oktober 2014

 

Inhalt:

1. gesetzliche Anforderungen an Fassaden
- Brandverhalten von Fassadenbekleidungen
- Brandweiterleitung über Fassaden
- Rettungsweg (Anleiterbarkeit durch Feuerwehr)
2. Anforderungen an Fassadenbegrünung an Hand ausgewählter Beispiele (Grundlage: Leitfaden Fassadenbegrünung, Hrsg: ÖkoKauf Wien)

 

1. Worauf basiert der der Brandschutz von Gebäuden?

OIB-Richtlinie 2 „Brandschutz“
OIB-Richtlinie 2.3
„Brandschutz bei Gebäuden mit
einem Fluchtniveau > 22 m“
Ausgabe 2011

RL 2/2.3 - Punkt 1 (Begriffsbestimmungen):

Fassaden (1)

 vorgehängte … System mit den Komponenten
• Unterkonstruktion
• Verankerungs-, Verbindungs- und Befestigungselemente
• ev. Wärmedämmung (Dämmschicht)
• Hinterlüftungsspalt bzw. Luftspalt
• Außenschicht
- vorgehängt hinterlüftet … Zuluftöffnung an Unterseite, Abluftöffnung an Oberseite
- vorgehängt belüftet …. Luftöffnung an Unterseite

RL 2/2.3 - Punkt 1 (Begriffsbestimmungen)

Fassaden (2)

Außenwand-Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS)
- Systeme mit einem vorgefertigten Wärmedämmstoff, der auf eine Wand ausschließlich geklebt und/oder mit Hilfe von Dübeln, Profilen, Spezialteilen u.a. mechanisch befestigt wird
- Der Wärmedämmstoff ist mit einem Putz versehen, der aus einer oder mehreren (auf der Baustelle aufgebrachten) Schichten besteht, von denen eine die Bewehrung enthält.
- Der Putz wird direkt auf die Dämmplatten ohne Luftzwischenraum oder Trennschicht aufgebracht.

OIB-Richtlinie 2, Tabelle 1a

Anforderungen an das Brandverhalten für Gebäude der GK 1 bis GK 5

OIB-Richtlinie 2.3, Tabelle 1

Anforderungen an das Brandverhalten für Gebäude mit einem Fluchtniveau von
mehr als 22 m

RL 2/2.3 – Punkt 3 (Ausbreitung von Feuer und Rauch …)

Anforderungen zur wirksamen Einschränkung einer Brandweiterleitung

bei ≥ GK 4 … wirksame Einschränkung

- der Brandweiterleitung über die Fassade auf das zweite über dem Brandherd liegende Geschoß,
- des Herabfallens großer Fassadenteile,
- einer Gefährdung von Personen
-  sinngemäße Einhaltung der ÖNORM B 3800-5

 

Brandschutz bei Fassaden:

Grundlagen (1)

Brand eines benachbarten Gebäudes
- Konvektive Wärmeübertragung
• „fliegende Brände“
• Ablagerungen auf horizontalen Flächen
- Wärmestrahlung
• Ausbreitung in alle Richtungen
• Fremdzündung, Selbstzündung
• Abstand

Abbildungen aus einem Vortrag von Dr. Kotthoff

 

Grundlagen (2)

Brand außerhalb des Gebäudes

Grundlagen (3)

Brand innerhalb eines Gebäudes
- Vollbrand eines an die Fassade grenzenden Raumes mit Flammenaustritt auf die Fassade aus einer Öffnung nach der Durchzündung (flash-over)

 

Grundlagen (4)

Flammensprung von Geschoss zu Geschoss

 

Grundlagen (5)

Brandausbreitung an Außenwänden

 

ÖNORM B 3800-5

Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen – Teil 5: Brandverhalten von Fassaden – Anforderungen, Prüfungen und Beurteilungen

- Schutzziele des zweiten über dem Primärbrandherd liegenden Geschosses:
--• Keine Brandweiterleitung
--• Kein Herabfallen großer Teile
--• Keine Gefährdung von Personen

 

Ergebnisse aus Prüfungen (1) 

- stets positiver Nachweis bei ³ GK 4 oder
- Anordnung von Brandschutzriegeln bei Wärmedämmverbundsystemen auf Basis EPS

 

Ergebnisse aus Prüfungen (2)

hinterlüftete Holzfassaden

- stets positiver Nachweis bei ≥ GK 4 oder
- mögliche Brandsperren:
--• durchgehend breite Brandsperren
--• verlaufende Brandsperren
--• Brandsperren mit Abschottung

ÖNORM B 2332:2007-05
(Brandschutztechnische Ausführung von Fassaden
aus Holz und Holzwerkstoffen in den Gebäudeklassen 4 und 5 – Anforderungen und Ausführungsbeispiele)

 

RL 2/2.3 – Punkt 3 (Ausbreitung von Feuer und Rauch …)

Fassaden als Doppelfassaden

bei ≥ GK 4 … wirksame Einschränkung
- der Brandweiterleitung über die Fassadenoberfläche auf das zweite über dem Brandherd liegende Geschoß,
- des Herabfallens großer Fassadenteile,
- einer Gefährdung von Personen,
- Brandausbreitung über die Zwischenräume im Bereich von Trenndecken bzw. brandabschnittsbildender Decken
-> siehe ÖNORM B 3800-6 (Kastendoppelfassaden)

RL 2/2.3 – Punkt 3 (Ausbreitung von Feuer und Rauch …)

Fassaden als Vorhangfassaden

bei ≥ GK 4 … wirksame Einschränkung
- der Brandweiterleitung über die Fassadenoberfläche auf das zweite über dem Brandherd liegende Geschoß,
- des Herabfallens großer Fassadenteile,
- einer Gefährdung von Personen,
- Brandausbreitung über Anschlussfugen und Hohlräume innerhalb der Vorhangfassade im Bereich von Trenndecken bzw. brandabschnittsbildender
Decken
-> siehe ÖNORM EN 13830 (Vorhangfassaden)

RL 2 - Punkt 5 (Flucht- und Rettungswege)

Rettungswege mit Geräten der Feuerwehr:

- Erreichbarkeit jeder Whg./BE in jedem Geschoß (bei Maisonetten von Wohnungen … genügt Erschließungsebene)
-  geeignete Gebäudeöffnungen  mind. 0,80 x 1,20 m groß,  Fensterunterkante max. 1,20 m über Fußbodenoberkante;  Achtung auf Lage der  Dachflächenfenster
- Anfahrtsweg für Feuerwehr £ 10 km
- geeignete Zugänge, Zufahrten, Aufstell- und Bewegungsflächen für Feuerwehr … TRVB 134

...einige Beispiele:

 

 

2. Leitfaden Fassadenbegrünung „ÖkoKauf Wien“

 

Begriffsbestimmungen Fassadengebundene Begrünung:

- kein direkter Kontakt zu Erdreich
- Lebensraum der Pflanze direkt an Fassade
- flächige Systeme oder Tröge in Fassade

 

Begriffsbestimmungen Bodengebundene Begrünung:

- direkter Kontakt zu Erdreich
- meist Kletterpflanzen

 

Begriffsbestimmungen: 

Bautechnische Konstruktion
- haltende umrahmende Konstruktion
- Kletterhilfen (Seile, Rankgitter, Stäbe)

 

Bautechnische Grundlagen 

Baustoffe
- Halterungen, Dübel, Anker
--• erhöhte Anzahl an Befestigungspunkten
--• größer dimensionierte Befestigungspunkte
--•  -> Wärmebrücken
--•  -> mögliche Beeinträchtigung des Brandschutzes

allg. brandschutztechnische Überlegungen
-- Fassadentyp
-- Anzahl der oberirdischen Geschoße des Gebäudes
-- Art der Pflanzen
-- Art der Bepflanzung

 

Im folgenden wird an Hand von fiktiven Gestaltungsbeispielen, entnommen dem Leitfaden Fassadenbegrünung (Herausgeber: ÖkoKauf Wien), angeführt, welche Ausführungsmöglichkeiten (eher) unproblematisch bzw. (eher) problematisch angesehen werden.

Es wird nochmals darauf hingewiesen, dass es sich bei den Darstellungen um einen Diskussionsprozess und noch keine endgültige Richtlinie handelt.

Hier liegt im Wesentlichen eine hinterlüftete Fassade vor, bei der der „Begründungsanteil“ als Fassadenbekleidung angesehen werden kann. Für dieses System liegt eine positive Prüfung gemäß ÖNORM B 3800-5 vor.

 

linkes Bild … eher problematisch, da mit einer vertikalen Brandweiterleitung gerechnet werden muss
rechtes Bild … unproblematisch, da keine Öffnungen in der Wand vorhanden sind

linkes Bild … unproblematisch, da auf Erdgeschoß begrenzt; in Form eines Dachvorsprunges muss mit einem Weiterwuchs nach oben nicht gerechnet werden
rechtes Bild … die beiden äußeren Begrünungsstreifen werden – sofern auf diese Breite begrenzbar – als unproblematisch gesehen; der mittlere Begrünungsstreifen ist diskussionsnotwendig, da im Brandfall mit einer Beeinträchtigung im Bereich der Fenster zu rechnen ist

obere Bilder … Begrünung ist problematisch, da mit einer Einschränkung des Rauch- und Wärmeabzugs gerechnet werden muss
untere Bilder … unproblematisch, solange die Begrünung auf den Bereich der Stützen beschränkt bleibt

linkes Bild … eher unproblematisch, solange Begrünung auf den horizontalen deckenübergreifenden Außenwandstreifen (Parapethbereich) begrenzt bleibt
rechtes Bild … wird dann problematisch, wenn durch die Begrünung die Rauch- und Wärmeabzugsöffnungen wesentliche eingeschränkt werden (es liegt vermutlich ein Parkdeck vor, deren Öffnungen bereits durch Streckmetall o.dgl. abgedeckt werden)

linkes Bild … problematisch, da mit einer unkontrollierten Begrünung der Fassade gerechnet werden muss
rechtes Bild … sehr problematisch

linkes Bild … unproblematisch, solange Begrünung auf Pfeiler begrenzt bleibt
rechtes Bild … unproblematisch, solange Begrünung auf vorgesehenen Bereich begrenzt bleibt

 

Anstelle einer abschliessenden Bemerkung ein Zitat: